Nachhaltigkeit ist längst im Konsumalltag angekommen. Doch zwischen wachsendem Bewusstsein und der tatsächlichen Kaufentscheidung liegen oft Preisbarrieren, fehlendes Vertrauen und unklare Produktversprechen. Unsere Studie untersucht, was Verbraucher:innen zum Kauf nachhaltiger Produkte bewegt, welche Aussagen glaubwürdig erscheinen und wie viel Nachhaltigkeit kosten darf.

 

Studiensteckbrief

Für die Studie wurden deutschlandweit 300 Verbraucher:innen ab 18 Jahren online befragt. Die Stichprobe ist hinsichtlich Alter, Geschlecht und Nielsen-Gebieten deutschlandrepräsentativ verteilt. Alle Befragten kaufen bei mindestens zwei der untersuchten Produktgruppen zumindest gelegentlich eine nachhaltige Variante. Die Befragungsdauer betrug rund acht Minuten.

Nachhaltigkeit ist kein Nischenthema

Für fast jede zweite befragte Person ist Nachhaltigkeit ein wichtiges Kriterium bei Kaufentscheidungen. 42 Prozent sind grundsätzlich bereit, für nachhaltige Produkte mehr zu bezahlen. Besonders ausgeprägt ist diese Bereitschaft bei jüngeren Menschen und in Haushalten mit höherem Einkommen. Nachhaltigkeit hat sich damit von einem Nischenthema zu einem relevanten Bestandteil vieler Kaufentscheidungen entwickelt – auch wenn der Anspruch nicht immer in einen tatsächlichen Kauf mündet.

Was nachhaltigen Konsum antreibt

Der stärkste Beweggrund für den Kauf nachhaltiger Produkte ist die Vermeidung von Tierleid: 57 Prozent nennen sie als eines ihrer wichtigsten Motive. Mit 52 Prozent folgt der Umwelt- und Klimaschutz. Nachhaltigkeit wird damit nicht allein als ökologische Frage verstanden, sondern ebenso mit persönlichen Werten und ethischer Verantwortung verbunden. Auch Produktqualität und faire Arbeitsbedingungen spielen eine Rolle – besonders überzeugend sind jedoch Aspekte, deren Wirkung unmittelbar nachvollziehbar und emotional greifbar ist.

Zwischen Haltung und Kauf liegt der Preis

Der Wunsch nach nachhaltigem Konsum trifft am Regal auf eine harte Grenze: 75 Prozent der Befragten nennen zu hohe Preise als wichtigste Kaufbarriere. Im ländlichen Raum steigt dieser Anteil sogar auf 81 Prozent. Hinzu kommen Zweifel an der Glaubwürdigkeit von Nachhaltigkeitsversprechen und eine teilweise eingeschränkte Produktauswahl. Nachhaltiger Konsum scheitert somit häufig nicht am fehlenden Interesse, sondern daran, dass Preis, Vertrauen und Verfügbarkeit im konkreten Kaufmoment schwerer wiegen als der gute Vorsatz.

Die Entscheidung fällt am Regal

Die Produktverpackung ist die wichtigste Informationsquelle für nachhaltige Produkte – besonders häufig wird sie von Frauen genutzt. Damit findet Nachhaltigkeitskommunikation oft genau dort statt, wo die Kaufentscheidung getroffen wird. Auch Testberichte, Handelswerbung und Hersteller-Websites dienen zur Orientierung, ihre Bedeutung variiert jedoch zwischen den Zielgruppen. Für Marken und Handel heißt das: Nachhaltigkeitsvorteile müssen auf der Verpackung schnell verständlich, konkret und glaubwürdig vermittelt werden.

Konkrete Aussagen schaffen Vertrauen

Je konkreter und leichter nachvollziehbar ein Nachhaltigkeitsversprechen ist, desto glaubwürdiger wird es wahrgenommen. „Regional produziert“ überzeugt mit 67 Prozent am stärksten, gefolgt von „100 % recycelbare Verpackung“ mit 54 Prozent. Deutlich skeptischer reagieren Verbraucher auf abstrakte Aussagen wie „klimaneutral produziert“ oder „CO₂-Ausstoß reduziert“. Erfolgreiche Nachhaltigkeitskommunikation sollte deshalb nicht bei allgemeinen Versprechen stehen bleiben, sondern den konkreten Nutzen verständlich und möglichst überprüfbar benennen.

Nachhaltigkeit funktioniert über Routine

Nachhaltige Varianten werden vor allem bei Produkten des täglichen Bedarfs gekauft. Lebensmittel wie Eier und Milch, aber auch Waschmittel oder Duschgel, sind längst in wiederkehrende Einkaufsroutinen eingebunden. Hier sind nachhaltige Alternativen meist bekannt, verfügbar und ohne großen zusätzlichen Entscheidungsaufwand wählbar. Bei langlebigen Gütern wie Bekleidung oder Elektrogeräten fällt die nachhaltige Kaufentscheidung dagegen deutlich seltener. Je einfacher sich Nachhaltigkeit in bestehende Gewohnheiten integrieren lässt, desto eher setzt sie sich im Alltag durch.

Das Bio-Ei als Champion des nachhaltigen Konsums

42 Prozent der Befragten kaufen Eier immer in einer nachhaltigen Variante – häufiger als jedes andere untersuchte Produkt. Das Bio-Ei verbindet mehrere zentrale Kaufmotive auf besonders anschauliche Weise: Tierwohl, regionale Herkunft und der persönliche Wunsch nach einem hochwertigen Lebensmittel. Kennzeichnungen zu Haltung und Herkunft machen den Unterschied zur konventionellen Variante unmittelbar sichtbar. Dadurch wird aus einem abstrakten Nachhaltigkeitsversprechen eine einfache und nachvollziehbare Entscheidung am Regal.

Nachhaltigkeit hat klare Preisgrenzen

Verbraucher akzeptieren für nachhaltige Produkte einen Mehrpreis – allerdings nur innerhalb klarer Grenzen. Der psychologisch attraktive Preis liegt bei fair produzierten T-Shirts bei etwa 19 bis 21 Euro, bei Naturkosmetik-Duschgel bei rund 3,10 bis 3,20 Euro. Für Bio-Naturjoghurt liegt der Sweet Spot bei etwa 1,55 bis 1,60 Euro und für zehn regionale Bio-Eier bei rund 3,50 Euro. Werden die jeweiligen Preisgrenzen überschritten, steigt die Kaufablehnung deutlich. Nachhaltige Qualität darf also mehr kosten, der Mehrwert muss jedoch plausibel und bezahlbar bleiben.

Was Marken und Handel daraus ableiten können

Erfolgreiche Nachhaltigkeitskommunikation muss konkret, verständlich und nah an der Kaufentscheidung sein. Statt abstrakter Klimaversprechen überzeugen nachvollziehbare Vorteile wie regionale Herkunft, Tierwohl oder eine recycelbare Verpackung. Die Verpackung selbst wird dabei zum wichtigsten Kommunikationsmedium am Regal. Gleichzeitig muss der nachhaltige Mehrwert in einem akzeptierten Preisrahmen bleiben. Wer Glaubwürdigkeit, Alltagstauglichkeit und ein plausibles Preis-Leistungs-Verhältnis verbindet, erhöht die Chance, dass aus einer positiven Haltung tatsächlich ein Kauf wird.

Nachhaltigkeit muss im Kaufmoment überzeugen

Die Ergebnisse zeigen: Das Interesse an nachhaltigen Produkten ist groß, doch gute Absichten allein führen noch nicht zum Kauf. Entscheidend ist, ob Verbraucher den nachhaltigen Nutzen unmittelbar verstehen, den Aussagen vertrauen und den Preis als angemessen empfinden. Besonders erfolgreich ist Nachhaltigkeit dort, wo sie konkret sichtbar wird und sich ohne große Hürden in den Alltag integrieren lässt.

 

Sie möchten mehr erfahren?

Gerne senden wir Ihnen den vollständigen Studienbericht zu und besprechen mit Ihnen, welche Erkenntnisse für Ihre Marke oder Produktkategorie besonders relevant sind. Darüber hinaus beraten wir Sie bei individuellen Preis-, Verpackungs- und Regaltests – von der Konzeption bis zur konkreten Handlungsempfehlung.

Ihr Ansprechpartner:
Ulrich Rieger
ulrich.rieger@mwresearch.de